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Japan – Fukuoka

Startzeremonie im Süden Japans

Meine zweite Reise ins Land des Lächelns beginnt dort, von wo aus die ersten Menschen, 300 Jahre vor Christus, das heutige Japan vom Festland aus besiedelten. Die Region um Fukuoka gilt somit als Wiege der Japanischen Zivilisation. Heute versprüht die größte Metropole der Insel Kyushu kosmopolitischen Flair.




Schnuppereinkauf im Einkaufsladen der Annehmlichkeiten

Mit einem leichten Jet-Lag durch eine 8-Stündige Zeitverschiebung gegenüber Zuhause, schlendere ich vom gebuchten Hotel durch die Straßen in Richtung Hauptbahnhof Hakata. Ziel ist die dortige Dachterrasse auf dem Gebäude mit Blick über die Stadt. Auf dem Weg decke ich mich noch in einem der zahlreichen Convenience Stores mit japanischem Dosenbier ein. Diese sehr kleinen Einkaufläden sind über ganz Japan verteilt, haben immer täglich 24 Stunden, von Montag bis Sonntag geöffnet und gehören meist zu einem der drei großen Ketten mit den illustren Namen wie 7eleven, Lawson oder FamilyMart an. Das angebotene Sortiment der Waren erstreckt sich von allerlei Getränken, über kalte und warme Snacks bis hin zu Süßigkeiten. Im Bahnhofsgebäude angekommen, befördert einer der vielen Fahrstühle mich und auch zahlreiche andere Besucher auf die Ebene der Dachterrasse. An diesem lauen Abend genieße ich mit dem ersten japanischen Dosenbier in der Hand, den Sonnenuntergang weit hinten am Horizont der Stadt. Von hier oben breitet sich in alle Himmelsrichtungen, mit zunehmender Dunkelheit, das immer dichter werdende Lichtermeer der Stadt Fukuoka und Hakata aus. Die beiden Städte sind über die Jahre zusammengewachsen und bilden seit langem die größte Metropolregion auf Kyushu, einer der vier Hauptinseln von Japan.




Kurze Nacht und am nächsten Morgen

Fazit des letzten Abends – auch wenn die Japaner das Bier nicht erfunden haben, brauen selbst die Großbrauereien süffige Versionen dieser urigen Erfindung.
Mit der U-Bahn fahre ich am Morgen, im übersichtlichen U-Bahn-Netz von Fukuoka, vom Hotel in die Nähe des Ohori-Parks. Dieser öffentliche Park mit künstlichem See und einer kleinen Insel liegt in der Nähe der Burgruine Fukuoka. Die Mauerreste der schon lange zerstörten Burg sind noch heute auf einem kleinen Hügel inmitten der Stadt gestapelt. Der klare Morgen erlaubt von dort einen ungetrübten Blick über das Häusermeer bis zum Genkai-Meer in westlicher Himmelsrichtung. Aus der Menge an Gebäuden stechen vor allem das Baseballstation, der Fukuoka Yafuoku! Dome, mit seinem gigantischen Kuppeldach und der Fukuoka-Tower mit einer Höhe von 234 Metern als Landmarken heraus.
Ein paar wenige Meter von der Burgruine entfernt liegt am Rand des Ohori-Parks der Gokoku-Schrein. Dieser Shinto-Schrein dient den Japanern eigentlich zum Gedenken an gefallene Soldaten, welche zur Verteidigung des Landes beitrugen. Heute vormittag herrscht erfreulicherweise bunte Geschäftigkeit auf fast dem ganzen Gelände des Schreins. Etliche Stände mit reichlich Trödel und noch mehr Interessenten beleben den Flohmarkt. Hier und dort werden alte Klamotten angeboten, klassischer Schmuck anprobiert und historisches Tee- und Kaffeegedeck begutachtet. Zwischen den dicht aufgestellten Ständen knotet eine schrill gekleidete Japanerin auch noch Luftschlangen für die Kleinsten. An einem transportablen Grill-Imbiss wird, den eigenen Augen kaum zu glauben, türkischer Kebab im Fladenbrot verkauft.




Shopping und Genießen Alles-In-Einem

Mit dem Duft von Gegrilltem am Spieß in der Nase, führt der Weg durch den Park in Richtung Mittagessen im Einkaufsparadies Canal-City von Fukuoka. Da noch etwas Zeit bis zum Mittag übrig ist, statte ich dem Kushida-Schrein einen Besuch ab. Dieser sehr kleine Shinto-Schrein befindet sich im Stadtgebiet von Hakata und ist den beiden Göttern Amaterasu und Susanoo erbaut. Amaterasu gilt als wichtigste Gottheit im Shintoismus, sie personifiziert die Sonne und das Licht. Ihr Bruder Susanoo symbolisiert indes den Wind und das Meer.


„Der Schintoismus ist eine durch Naturverehrung und Ahnenkult gekennzeichnete einheimische Religion Japans.“


Einige Japaner, nebst Touristen, bevölkern an diesem Vormittag den kleinen Schrein, welche den beiden Göttern ihre Bitten und Spenden darbieten. Trotz der geringen Größe der Anlage ist der Schrein mit kultigen Symbolen und Objekten vollgestopft. Kraniche als lebensgroße Skulpturen, geschlagene Taue aus Reisstroh (jap. Shimenawa) und besonders gefalteten Papierstreifen in Zickzack-Form (jap. Shide), aufgereihte rote Torii zum hindurchgehen. In einer Ecke steht ein kleiner Brunnen in der Form des belgischen Manneken Pis. Im ohnehin wirren Japan vermutlich nichts besonders an diesem Ort, für mein Verständnis trotzdem sehr ungewöhnlich. Am Rande des ganzen Trubels filmen auch einige Schulmädchen in Uniform eine einstudierte Sequenz für ein Filmprojekt ihrer Schule.




Genug Historisches – Auf zum Nudelsuppenessen in eines der Restaurants in Canal City. Der mehrstöckige Gebäudekomplex mit künstlichem Fluss beherbergt als sogenanntes Einkaufsparadies allerlei Boutiquen und Flagship-Stores weltbekannter Premium-Marken. Zur Befriedigung des Hungergefühls offerieren Restaurants auf fast allen Etagen unterschiedliche Stilrichtungen. Im Areal der Nudelsuppen-restaurants entsteht der Eindruck, dass sich zur Mittagszeit fast alle Shopper der Einkaufsmeile auf die aufgestellten Automaten stürzen, um ihre Bestellung aufzugeben. Der Bestellvorgang wird völlig nonverbal, mit Hilfe dargestellter Fotos der angebotenen Speisen, über einen Automaten abgewickelt. Mein Kopf entscheidet sich für eine Portion Udon-Nudeln mit panierten Hühnchenstreifen in hausgemachter Suppe und mein Bauch freut sich schon ungemein darauf. Mit dem ausgeworfenen Ticket in der Hand stehe ich nun kurz vor der Mittagspause in der Warteschlange an der Theke.




Japan, Sandstrand und Baden – Eine ungewöhnliche Kombination

Im Anschluss an die Mittagspause sitze ich in der U-Bahnlinie Kuno Line in Richtung Meinohama. Nach einer kurzweiligen Fahrt steige ich an der Haltestelle Nishijin aus. Den Weg zur Uferpromenade am Meer weist der in die Höhe ragende Fukuoka Tower. Nach ein paar Gehminuten in der heißen Mittagssonne weht eine erste angenehme Prise Meeresluft durch die Haare. Zum Schutz vor Tsunamis wurden hier hohe Dämme und Ufermauern erbaut. Dahinter erstreckt sich der feine Sandstrand an dem die Wellen auslaufen. Dort baden und tollen Badegäste jeden Alters im Wasser und am Sandstrand.


„Wie ich später erfahre, haben es die Japaner nicht so mit dem Baden im Meer. Japan ist eigentlich kein typisches Reiseland für einen ausgiebigen Badeurlaub. Selbst Japaner bezahlen lieber ein Vermögen und fliegen zu den südlichsten Inseln Japans wie Okinawa, um im glasklaren Wasser des Pazifischen Ozeans baden zu können.“


Ich nehme Platz auf einer Parkbank und beobachte die sanften Meereswellen. Im Rücken hinter mir steht der Fukuoka Tower. Spiegelnde Glasplatten als Fassade verdecken fast vollständig das Stahltragwerk des Bauwerks. Bis auf drei Etagen in einer Höhe von 123 Metern ist das Gebäude im Inneren eigentlich leer.




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Japan – Kyoto (3)

Auf dem Weg zum Kiyomizu-dera

Die Teekannenwege und die Gassen Ninenzaka und Sannenzaka (Zwei- und Dreijahresweg) führen zum bekanntesten Tempel im Osten Kyotos. Zu beiden Seiten dieser Wege reihen sich klassische Gebäude im Stil alter Holzhäuser aus der Edo-Zeit mit zum Teil riesigen Verkaufsräumen für buntes Allerlei. In einem der Geschäfte wird feine Töpferware zum Verkauf angeboten, im nächsten touristischer Krimskrams und im übernächsten eine Fülle an Süßigkeiten. Yatshuhashi, Gebäck mit reichlich Zimt, gilt hier als örtliche Spezialität. Alles stets edel verpackt, um die besondere Herkunft zu unterstreichen. Ein Wirrwarr aus Stimmen und Gerüchen liegt über diesen Wegen und Gassen, durch die Pilger, Touristen und Einheimische zum Tempel gelangen. In einer Seitengasse hat sich ein Maler mit seiner Staffelei positioniert und bannt den faszinierenden Moment, fast wie in Zeitlupe, mit Pinsel und Farbe auf seine Leinwand, während ein dichter Menschenstrom sich geschwind vorbei zum Tempel schiebt.




Kiyomizu-dera bietet Geschicklichkeitsspiele Made in Japan

Das Areal des Kiyomizu-dera, ein buddhistischer Tempel, gliedert sich über drei Ebenen und beherbergt noch zusätzliche verschiedene Shinto-Schreine. Von den Teekannenwegen kommend, startet der Rundgang auf der mittleren Ebene mit der Haupthalle und einer riesigen Terrasse mitsamt tollem Panorama über die Stadt Kyoto. Der Tempel gehört zu Recht zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten hier in der Gegend. Daraus resultiert eine große Menge an Gästen überall auf dem Gelände. Mit einer Portion Geduld gelingt der Schritt bis zur Brüstung der Terrasse. Unterhalb der Terrasse erstreckt sich, zu großen Teilen von Wald bedeckt, die untere Ebene des Tempels mit weiteren Einrichtungen und einem kleinen Wasserfall samt künstlichem Bassin. Dort errichteten die Baumeister am steilen Berghang eine Holzkonstruktion und ließen die Haupthalle samt Terrasse über die Baumwipfel ragen. Einer überlieferten Legende nach würden alle Wünsche demjenigen erfüllt, der den Sprung von der Terrasse an diesem Tempel wagt. Trotz dichtem und üppigem Baumbestand unterhalb der Plattform, welcher den Aufprall dämpfen würde, sind es immerhin 13 Meter von der Terrasse bis zum Grund. Seit dem Bestehen des Tempels sind bereits über 200 Sprünge überliefert.
Eine verwinkelte Steintreppe führt zur oberen Ebene und zum Shinto-Schrein Jishu-jinja. Dieser ist Okuninushino-Mikoto dem Gott der Liebe erbaut. Zwei Liebessteine sind dort der Besuchermagnet vor allem für junge japanische und südkoreanische Frauen. Es wird gesagt, dass die Person, die mit geschlossenen Augen die Strecke von einem Stein zum anderen Stein zurücklegen kann, sich mit Hilfe des Liebesgottes angeblich bald danach verlieben wird. Zur Erhöhung der Spannung sind die kniehohen Steine jedoch rund 18 Meter zueinander entfernt. Zwischen all den vielen Menschen, die dort bereits kreuz und quer laufen, tapsen auch noch kichernde junge Damen mit fest verschlossenen Augen von Liebesstein zu Liebesstein.
Über den Tempel sind noch weitere Geschicklichkeitsspiele verstreut, an denen sich teilweise lange Menschenschlangen bilden. Ein weiteres Spiel ist prominent im Eingangsbereich aufgebaut. Gegenstand sind ein Paar Sandalen und zwei unterschiedlich lange Pilgerstäbe, alles komplett aus Metall gefertigt. Um diese drei Utensilien versammeln sich vor allem Männer jeden Alters in Scharen, um sich zu beweisen. Der Grund ist eine alte, listige Legende. Derjenige, der die Sandalen und alle Stäbe anheben kann, steht im übertragenen Sinn nicht unter dem Pantoffel seiner Frau. Die Schuhe und der kürzeste und leichteste Stab ist für die vielen Möchtegern-Machos noch kein Hindernis. Beim längsten Stab, der bestimmt 2 Meter misst, verzweifeln selbst gut statuierte Männer mit breitem Kreuz.
Ein Fußweg lotst die Pilger und Touristen zur unteren Ebene des Tempels. Ein am Berg errichtetes Steingebäude verteilt hier das Wasser des Otowa-no-taki Wasserfalls auf drei Wasserrinnen, die sich offen in ein steinernes Wasserbecken ergießen. Mittels Metallschalen an langen Stangen, fangen Besucher ihren Teil des klaren Wassers auf. Einer überlieferten Legende nach erfüllt ein Schluck von diesem Wasser auch jeden erdenklichen Wunsch. Entsprechend lange ist die wartende Menschenschlange, die eine Holzabsperrung, wie in einem modernen Freizeitpark, ordnet.




Areal der Abertausende roter Torii

Einer der ältesten und bekanntesten Shinto-Schreine Kyotos, mit Namen Fushimi Inari-Taisha, ist im Südosten der Stadt errichtet. Trotz des Bekanntheitsgrades sind an diesem Nachmittag nur wenige Besucher im Schrein unterwegs. Zum eigentlichen Heiligtum des Schreins, auf einem Hügel, führen mehrere Wege. Dorst sind Abertausende kräftig leuchtende, hellrote Torii aufgestellt. Torii sind Eingangstore zu shintoistischen Tempelanlagen, die sich meist in Größe und Dimension gegenseitig überbieten und den Übergang von der täglichen Welt zur spirituellen Welt in Japan symbolisieren. Diese hier im Fushimi Inari-Taisha Schrein sind soweit geschrumpft, dass ein Erwachsener ohne den Kopf zu beugen hindurchgehen kann. Mit dieser Menge an Toren erzeugen die Alleen teilweise den Eindruck eines gigantischen und unüberschaubaren Labyrinths. Mitunter stehen die Torii so eng nacheinander über den Wegen, dass kaum ein Sonnenstrahl hindurchscheint. Den geringen Andrang nutzt ein Handwerker zur Ausbesserung der Farbe an einer Inschrift an einem der vielen Tore.
Der Schrein ist dem Kami Inari gewidmet, welches in der japanischen Mythologie die Gottheit für die Fruchtbarkeit, den Reis und die Füchse ist. Meist wird diese selbst als reinweißer Fuchs dargestellt. Dem Volksglauben nach, schaut er ab und zu auch in anderer Gestalt vorbei. Dann meistens als alter Mann mit einem großen Sack voller Reis, dem zwei Füchse hinterherlaufen. Im Fushimi Inari-Taisha Schrein befinden sich auch noch unzählige Fuchsstatuen in vielen unterschiedlichen Größen. Denen sind teilweise Reisballen oder ein Schluck Sake als Opfergabe dargebracht. Die Japaner glauben, so die Füchse freundlich zu stimmen, damit diese einem keinen Schabernack spielen.




Abenddämmerung im Gion-Distrikt

Gion ist das Stadtviertel der Geishas. Der Reiz dieses Quartiers liegt im Verborgenen und Unerwarteten. Jederzeit könnte eine Geisha mitsamt Begleitung aus dem Taxi steigen und im nächsten Restaurant verschwinden. Hier spielt sich viel hinter verdeckten Türen und Fenstern der alten Teehäuser, Kaiseki-Restaurants und exklusiven Bars ab.
Nach diesem doch langen Tag, setzt so langsam die Abenddämmerung in Kyoto ein. Im Anzug gekleidete Männer und im Kostüm gekleidete Frauen, mischen sich nach ihrem Arbeitstag zu dieser Stunde immer häufiger unter die Passanten. Die ersten Geschäfte schließen so langsam die Pforten, währenddessen an den Fassaden der Restaurants immer mehr bunte Papierlampions aufleuchten. Bei den ausgehängten Speisetafeln der Gaststätten finden sich Grüppchen von Arbeitskollegen zusammen. Diese studieren und diskutieren das heutige Angebot, wo der Tag am besten zusammen abgeschlossen werden kann. Gelegentlich erlaubt eine offene Tür oder Fenster den Blick ins Innere einer der Lokalitäten. Hinter einem dieser Fenster eröffnet sich eine moderne Küche, in der ein Koch üppige Steaks über einem Gasherd bei offener Flamme brät. In einem anderen Restaurant servieren Kellnerinnen, in stilechten Kimonos gekleidet, den Gästen ihre Speisen und Getränke. Mit fortschreitender Stunde stapeln sich die ausgezogenen Schuhe in den Eingangsbereichen der Restaurants immer höher. Denn in traditionellen und selbst etlichen modernen japanischen Lokalen werden noch immer die Schuhe vor dem Betreten der Räumlichkeiten ausgezogen.
Nach einem üppigen Abendessen zieht eine kleine Gruppe junger Japaner von einem Restaurant durch die teilweise engen Gassen zur nächsten Bar. An einer dunklen Wegkreuzung huscht vor ihnen ein adrett gekleideter, schlanker Mann mitsamt Geisha im Arm nehmend und selbst mit kleinen Schritte schnell über den Weg. Bevor auf der Lauer liegende Touristen auch nur einen Schnappschuss des Moments fotografieren können, ist der ganze Zauber auch schon vorüber.





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Japan – Kyoto (2)

Sightseeing in Kyoto.

Die ehemalige kaiserliche Residenz Kyoto war für rund 1000 Jahre Sitz des kaiserlichen Hofes. Von 794 n. C. bis heute wurde Kyoto somit eine der geschichtlich und kulturell bedeutendsten Städte Japans. Die Stadt ist fast bis zur Unübersichtlichkeit mit Sehenswürdigkeiten vergangener Epochen überfüllt. Burgen, Schreine, Tempel und Gärten in allen möglichen Größen. Etliche Reisegruppen sehen diese Tatsache sportlich und geben sich alle Mühe, auch ja alle Highlights von Kyoto abzuklappern.


Meditation am steinernen Garten

Weit im Nordwesten von Kyoto liegt der Tempel des zur Ruhe gekommenen Drachens. Im Ryōan-ji ist Japans berühmtester Steingarten verborgen. Im Kontrast zum minimalistischen Highlight ist das übrige Areal üppig mit schattenspendenden Bäumen bepflanzt und weitläufige Teiche spiegeln die Umgebung auf ihren regungslosen Wasseroberflächen wieder. Durch die mystische Wirkung des Hojo-Teien ist die Attraktivität dieses Zen-Gartens bis heute ungebrochen. An diesem frühen Morgen bietet die Sitzterrasse des angegliederten Tempelgebäudes ausreichend Platz, zumal sowieso nicht alle Steine sichtbar sind. Vor Jahrhunderten geschickt platziert, sind von keiner Stelle der Terrasse alle 15 Findlinge zugleich zu sehen. In fünf Gruppen sortiert und von feinem Moos umrandet erheben sich die Steinhaufen wie Inseln aus einem Meer von Kieselsteinen. Die gesamte Szene wird von einer rötlich schimmernden Mauer eingefasst. Übrigens, sowohl das Rechen dieser trockenen Landschaft durch Mönche, als auch das Betrachten des Kare-san-sui gilt als Meditation.




Der Goldene Pavillon

Wenige Fahrminuten vom Ryōan-ji entfernt, gilt der nächste Besuch dem Kinkaku-ji im Rehgarten-Tempel. Beflügelt von der Legende des verzweifelten Mönchs, der voller innerer Zerrissenheit die Schönheit des goldenen Pavillons nicht mehr ertragen konnte und diesen kurzerhand niederbrannte, zieht das wiedererrichtete Gebäude auch an diesem Tag unzählige Schaulustige an. Der fast vollständig mit Blattgold belegte Pavillon liegt, wundervoll in die übrige Gartenlandschaft eingefügt, am Rande eines kleinen künstlichen Sees. Dort spiegelt sich das Gebäude zusammen mit der umliegenden Tempelanlage im Wasser und unterstreicht die gesamte Szenerie noch einmal zusätzlich. Am gegenüberliegenden Ufer drängen sich in kurzen Abständen, in einem nicht abreißenden Strom, junge und alte Menschen, um auf jeden Fall eine freie Sicht auf den Goldenen Pavillon zu erhaschen.




Zwitschernder Holzboden im alter Kaiserpalast

Inmitten der Stadt Kyoto ragt noch immer die alte Burg Nijo aus dem Stadtbild heraus. Das öffentlich zugängliche Areal gliedert sich in einen inneren und äußeren Zirkel und ist umgeben von breiten Wassergräben und hohen Steinmauern. Dort residierte der damalige Shogun Tokugawa Ieyasu in mehreren Gebäuden, einschließlich ausgedehnter Gartenlandschaft innerhalb der Burg. In der gewalttätigen Geschichte Japans strebten etliche Kriegsherren nach Macht und amtierenden Machthabern war es angeraten umsichtig zu leben. Durch diesen Anlass realisierten die Baumeister des Shoguns eine spezielle Alarmanlage in den Korridoren, welche die Gebäude miteinander verbindet. Der Nachtigallenboden verursacht, durch Holzdielen die auf metallenen Zapfen gelagert sind, beim Begehen ein zwitscherndes Geräusch. Hiermit war es für jeden unmöglich, sich unbemerkt durch die Gebäude zu bewegen. Darüber hinaus lauerten schwer bewaffnete Leibwächter hinter den Schiebetüren zum sofortigen Eingreifen. Die Alarmanlage ist auch heute noch voll funktionsfähig und warnt ununterbrochen vor den etlichen Gästen, die sich durch die Korridore schieben.




Start des Tempel-Reigen im Gion-Viertel am Stadtrand von Kyoto

Im Osten der Stadt Kyoto konzentriert sich eine große Zahl an buddhistischen und shintoistischen Tempeln und Schreinen. Als erste Anlaufstelle fungiert hierzu der Yasaka-Schrein. Direkt an einer hektischen Kreuzung der Shijo-Dori gelegen, führen einige wenige Treppenstufen zum Haupttor des Schreins. Beidseits der Steintreppe wachen löwenähnliche Steinfiguren die Koma-Inu über die Touristen. Auf der anderen Seite des hellrot lackierten Zugangstors wandelt sich die gesamte Atmosphäre der Umgebung. Der Trubel und die Hektik der Großstadt werden ausgetauscht durch einen Platz der Ruhe und Gelassenheit. Ein zu allen Seiten offener Pavillon aus dunklem Holz markiert den Mittelpunkt des Platzes. Jetzt um die Mittagszeit lässt der leichte Wind die weißen Papierlampions am Pavillon baumeln. Am Hauptgebäude werfen Besucher eifrig einzelne Geldmünzen in die aufgestellte Spendenkiste und klatschen im Anschluss daran in die Hände, um die Kami, die Geister des Yasaka-Schreins, um alles Mögliche zu bitten.





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Japan – Kyoto (1)

Neben Moderne und Tradition liegt nur ein Häuserblock dazwischen.

Kyoto ist eine Stadt zum Verlaufen und Verlieben. Die alte Hauptstadt und ehemalige Kaiserresidenz bietet in den regelmäßig angelegten Straßen an jeder Kreuzung etwas Neues und Einzigartiges zu entdecken. Im inneren Stadtgebiet reihen sich die Häuser kilometerweit an die Straßen der schachbrettartigen Struktur der Stadt. Innerhalb eines Feldes sind meist noch weitere Wege und Gassen vorhanden, die wie ein feines rechteckiges Spinnennetz miteinander versponnen sind. Dieses Gebilde mit sich immer wiederholenden Fassaden, welche sich auch noch ähneln, lässt den natürlichen Orientierungssinn doch das eine oder andere Mal aus dem Gleichgewicht bringen. Ortsunkundigen bieten die Stationen der beiden U-Bahnlinien sowie der Fluss Kamogawa im Osten, welcher die Stadt in Nord-Süd-Richtung durchfließt, Anhaltspunkte zur Orientierung in diesem urbanen Dschungel. In der Stadt Kyoto befinden sich angeblich rund 1600 buddhistische Tempelanlagen, 400 Shinto-Schreine, Palästen mit einer Reihe der berühmtesten Bauwerke Japans und eine Unzahl versteckter Gärten. Zu diesen kulturellen Sehenswürdigkeiten gesellen sich in den Straßenschluchten unzählige Einkaufsmöglichkeiten in Form kleinster, spezialisierter Fachgeschäfte und mehrstöckige Kaufhäuser, die Dinge für das tägliche Leben, als auch Luxusartikel in Hülle und Fülle darbieten. Von Morgens bis Abends herrscht überall in der Stadt geschäftiger Trubel. An einer Straßenecke der Kawaramachi versammelt ein Reiseleiter seine Touristengruppe, um sie in den nächsten Schrein zu scheuchen, dort drüben überqueren ein paar kichernde Schulmädchen einen Zebrastreifen und unter den überdachten Gehwegen mischen sich adrett in Kimonos gekleidete Damen auf Shopping-Tour unter die zahlreichen Passanten. An der nächsten Kreuzung zur Shijo Dori springen drei in schwarz gekleidete Geschäftsmänner aus dem kurz anhaltenden Taxi. Die Busse des öffentlichen Nahverkehrs suchen sich ihren Weg durch die unzähligen Autos und Rikscha-Fahrer bieten dazwischen ebenso ihre Dienste auf den vollen Straßen an.



In den beiden verkehrsberuhigten Hauptgeschäftsstraßen der Teramachi und der traditionellen Marktstraße des Nishiki Marktes drängen sich alle möglichen Altersgruppen und Nationen. Die Geschäfte entlang der Teramachi bieten eine üppige Auswahl an traditioneller japanischen Kleidung, als auch aktuelle Kollektionen internationaler Modegrößen. Ebenso werden kleine und große Alltagsgegenstände und allerlei Elektroartikel in den Einkaufsläden angeboten. Vor den Geschäften werben vereinzelt Mitarbeiter mit übergroßen Transparenten mit Angaben zu Rabatten lautstark um Kundschaft. Neben all dem irdischen Trubel finden sich vereinzelt in der Teramachi auch kleine Shinto-Schreine und sogar ein buddhistischer Friedhof inmitten dem teils hektischen Treiben.



In der zentralen Marktstraße des Nishiki Marktes von Kyoto dreht sich alles rund um das Essen. Ob roh oder gegart, heiss oder kalt. Hier bieten regionale Verkäufer ein großes Wirrwarr an einfachen bis ausgefallenen Lebensmitteln an. Gleich zu Beginn zermahlt eine Maschine in einem winzigen Geschäft grünen Tee gebetsmühlenartig zu Matchapulver. Die in vielen möglichen Größen portioniert und verpackten Portionen reichen von der hintersten Ladenecke bis weit in die eigentliche Marktstraße. Einige Meter weiter bringt ein Fischverkäufer die letzten Fische und Meeresfrüchte an die wartende Kundschaft. Heutiges Highlight sind Mini-Tintenfisch-Tentakel am Spieß, ergänzt mit einem hartgekochten, gepellten Ei im Farbton der Tintenfischarme. Direkt nachdem ein Marktbesucher den bizarren Snack bezahlt hatte, biss er dem Tintenfisch-Imitat genüsslich den Kopf ab. Weiter entlang der Straße verstopft die nächste Menschentraube vor einem Süßwarenladen die lebendige Einkaufsmeile. Selbst international agierende Lebensmittelkonzerne bieten der japanischen Kundschaft einmalige im Geschmack abgestimmte, weltbekannte Marken. In diesem Laden decken sich zwei Touristen mit mehreren Packungen KitKat ein. Eine der bunten Verpackungen verspricht mit grünem Tee abgestimmte Schokoriegel die andere mit Zimt verfeinerte KitKat.

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